Anreise, Strecke

  • Anreise vom Olympiazentrum, U3 zum Marienplatz, dann S-Bahn
  • Strecke entlang des Originalweges des Putsches 1923: 4km, Komoot Tour Bildschirmfoto_20251227_154156|500

Der Bürgerbräu-Keller am gachen Steig, Haidhausen

Der gache Steig

Haidhausens Geschichte ist eng mit der Salzstraße und der zugehörigen Brücke über die Isar (Ludwigsbrücke) verbunden. Im 13. Jahrhundert waren hier, vor den Stadttoren, Isolationshäuser für Leprakranke. Später wurde das Areal für Armenhäuser und Spitäler genutzt. Ab dem 19. Jahrhundert war es erlaubt, Bier in den Sommermonaten zu brauen, die dafür notwendigen kühlen Lagerräume wurden am gachen, also steilen Steig, dem heutigen Gasteig errichtet. Und wenn schon Bier da war, so wurden ab 1812 relativ schnell große Gasthäuser auf den Bierkellern errichtet. Allerdings war es diesen lange nur erlaubt, mit “Bier und Brot” zu bewirten. Aus diesem Grund darf jeder Besucher auch heute noch seine Brotzeit in den Bier-(Keller)garten mitbringen.

Gründung und Blütezeit der Bierkeller

Haidhausen war um 1900 die „Stadt der Bierkeller“. Neben dem Bürgerbräukeller (heute GEMA/Hilton) und dem Münchner-Kindl-Keller gab es in unmittelbarer Nähe noch weitere berühmte Keller:

  • Der Hofbräukeller (am Wiener Platz, bis heute erhalten).
  • Der Löwenbräukeller (nicht zu verwechseln mit dem am Stiglmaierplatz; am Gasteig gab es Lagerkeller der Brauerei).
  • Der Schleibingerkeller (nahe der heutigen Schleibingerstraße).

Der Bürgerbräukeller wurde am 27. Oktober 1880 von der Aktiengesellschaft Bürgerliches Brauhaus eröffnet. Mit einem Fassungsvermögen von etwa 1.830 Personen im großen Saal, gesamt an die 10.000 Personen, war er einer der größten Veranstaltungsorte Münchens. Er diente als beliebtes Ausflugsziel und Ort für politische Versammlungen und gesellschaftliche Feste.

Skizze aus dem Jahr 1897 und Link dazu Bildschirmfoto_20251226_154358|700

Der Münchner-Kindl Keller gegenüber des Bürgerbräu Bildschirmfoto_20251226_164751 Dieser Keller war der größte Keller am Ort, hat einen Saal für 6000 Gäste

Außenansicht Biergarten, späte 1930er Jahre und Link dazu Außenansicht|700

Generierte Aufnahme des Bürgerbräukellers aus den 1960er Jahren und Link dazu Generierte Aufnahme des Bürgerbräukellers aus den 1960er Jahren|700 Anmerkungen dazu: Die Baustelle: Die im Vordergrund sichtbaren Baugruben, Erdhaufen und provisorischen Gleisanlagen zeugen vom Bau der S-Bahn-Stammstrecke (Baubeginn 1966). Der Bereich Rosenheimer Platz/Gasteig war damals eine der größten Baustellen der Stadt. Die Straßenbahn: Die blau-weiße Trambahn (Typ M), die auf dem Bild zu sehen ist, war das Rückgrat des damaligen Nahverkehrs. Die Beschriftung „Perlach“ deutet auf eine Linie hin, die vom Zentrum über Haidhausen Richtung Südosten führte. Zustand des Gebäudes: Der Bürgerbräukeller war zu diesem Zeitpunkt bereits wieder als Großgaststätte und Veranstaltungsort in Betrieb (Wiedereröffnung 1958). Die Dekorationen über den Türen lassen auf einen laufenden Festbetrieb oder eine Faschingsveranstaltung schließen. Das gezeigte Bild dokumentiert die letzten „normalen“ Jahre des Gebäudes, bevor der gesamte Komplex im Jahr 1979 endgültig abgerissen wurde. Heute stehen an dieser Stelle das Kulturzentrum Gasteig, das Hilton Munich City Hotel und die GEMA-Hauptverwaltung.


Das Jahr 1938

München ist seit dem 2.August 1935 „Hauptstadt der Bewegung“. Bei einer Feierstunde im Rathaus ernannte Hitler München offiziell. Damit wurde die Stadt in die Reihe der „Führerstädte“ (neben Berlin, Nürnberg, Hamburg und Linz) aufgenommen. Damit verbunden waren umfangreiche Änderungen:

  • Kultzentrum: Der Königsplatz wurde zum Aufmarschgelände umgestaltet. Dort entstanden die „Ehrentempel“ für die Toten des Putsches von 1923.

    Der Königsplatz mit den beiden Ehrentempeln, Link

    Bildschirmfoto_20251226_165649

  • Architektur: Massive Parteibauten wie der „Führerbau“ (lange dann Hochschule für Musik und Theater) und der Verwaltungsbau der NSDAP prägten das Viertel um die Brienner Straße. Die NSDAP kaufte das Palais Barlow in der Brienner Straße und baute es zum „Braunen Haus“ (Reichsleitung der NSDAP) aus. Außerdem planten die Nationalsozialisten die Verlegung des Münchner Hauptbahnhofes, an Stelle dessen sollte eine zentrale sog. “Ost-West Achse” vom Standort des Hauptbahnhofs bis nach München Pasing entstehen.

    Ost-West Achse mit dem “Denkmal der Bewegung” und dem HBF-Kuppelbau (136m hoch), Link

    Bildschirmfoto_20251226_165942

Anmerkung: Aufgrund dieser Geschichte bezeichnete z.B der Architekturhistoriker Winfried Nerdinger München später kritisch als „Hauptstadt der Verdrängung“. Schließlich reagierte München und erstellte auf dem Grundstück des “Braunen Hauses” das NS-Dokumentationszentrums (eröffnet 2015).

Am 8. November 1938 hält Hitler zum Jahrestag des gescheiterten Putschversuchs 1923 eine Rede im Bürgerbräukeller. Er geht mit keinem Wort auf das Attentat des polnischen Juden Herschel Grynszpan auf den deutschen Legationsrat Ernst vom Rath am 7. November 1938 in Paris ein. Erst einen Tag später, am Abend des 9. November 1938, spricht Reichspropaganda­minister Joseph Goebbels und löst damit Pogrome in ganz Deutschland aus. Mehrere hundert Synagogen werden angezündet, hunderte von Geschäften geplündert und mindestens 91 Menschen ermordet. Rund 30.000 Juden werden in Konzentrationslager verschleppt, wo hunderte von ihnen ums Leben kommen oder ermordet werden.

Nach der Rede inspiziert ein gewisser Georg Elser das Gebäude akribisch. Sein Entschluss steht fest: Er will den unausweichlichen Krieg verhindern. Er plant einen Anschlag und nun ist er sich sicher: Es wird in diesem Bürgerbräukeller passieren.


Das Jahr 1939

Am 01.09.1939 eröffnete Deutschland mit dem Überfall auf Polen den Zweiten Weltkrieg. Über 60 Staaten waren direkt oder indirekt beteiligt, mehr als 110 Millionen Menschen trugen Waffen. Schätzungen zufolge wurden über 65 Millionen Menschen getötet, bezieht man die Kriegsfolgen mit ein, so ist von 80 Millionen Menschen auszugehen.

Georg Elser

Quelle: Website Georg Elser

Elser ist geboren am 04.01.1903 in Hermaringen, war ein gelernter Schreiner. Er war kein klassischer Politiker, allerdings seit 1928/1929 Mitglied im “Roten Frontkämpferbund” in Konstanz.

In dieser Zeit entwickelt er sich zum strikten Widersacher des Nationalsozialismus

Er widersetzt sich bewusst dem totalen Führungsanspruch der nationalsozialistischen Erziehung und Propaganda. Elser, der auch im christlichen Glauben verwurzelt ist, empört sich zudem über die spürbare Unterdrückung der Glaubens- und Religionsfreiheit.

Georg Elser ca. 1938

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Das Attentat, 8. November 1939

Elser plante seine Tat über ein ganzes Jahr hinweg:

  • Ort und Zeit: Er wusste, dass Hitler jedes Jahr am 8. November zum Jahrestag seines Putsches von 1923 im Bürgerbräukeller sprach.

  • Beschaffung des Sprengstoffs: Er arbeitete gezielt in einem Steinbruch in Königsbronn, um dort Sprengpatronen und Zünder zu entwenden.

  • Handwerkliche Präzision: In seiner heimischen Werkstatt konstruierte er eine komplexe Zeitbombe mit zwei Uhrwerken (als Sicherheitsreserve, falls eines stehen blieb). Um das Ticken der Uhrwerke vor Ort zu verbergen, verkleidete er den Apparat mit Korkplatten.

  • Die Arbeit im Verborgenen: Ab Spätsommer 1939 ließ er sich über 30 Nächte lang heimlich im Bürgerbräukeller einschließen. In mühsamer Handarbeit höhlte er eine tragende Säule direkt hinter dem Rednerpult aus, um die Bombe dort zu platzieren. Den Bauschutt transportierte er unauffällig in einer Aktentasche ab.

Am Abend des 8. November verlief alles technisch perfekt, doch der Zufall verhinderte den Erfolg:

  • Die Explosion: Die Bombe detonierte exakt wie geplant um 21:20 Uhr. Die Wucht der Explosion brachte die Decke über dem Rednerpult zum Einsturz. Acht Menschen starben, über 60 wurden verletzt.

  • Das Scheitern: Hitler hatte den Saal jedoch bereits um 21:07 Uhr verlassen – nur 13 Minuten vor der Detonation. Da für diesen Abend Nebel gemeldet war, konnte er nicht nach Berlin fliegen und musste stattdessen den Zug nehmen, weshalb er seine Rede ungewöhnlich früh beendet hatte.

Zerstörter Saal nach Elser-Attentat und Link dazu

Zerstörter Saal nach Elser-Attentat|400

Weitere Ansicht zerstörter Saal und Link dazu-

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Gedenkfeier 9.11.1939 und Link dazu

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Nach dem Attentat

Elser wurde noch am selben Abend zufällig bei Konstanz an der Schweizer Grenze festgenommen, als er versuchte zu fliehen. Er hatte belastendes Material (Skizzen der Bombe, Teile eines Zünders) bei sich.

Er wurde jahrelang als „Sondergefangener“ in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Dachau festgehalten. Am 9. April 1945, nur wenige Wochen vor Kriegsende, wurde er auf direkten Befehl von oben im KZ Dachau ermordet.

Stellvertretend für sein Tun das Zitat aus den 1960 gefundenen Vernehmungsakten:

“Ich habe den Krieg verhindern wollen “

Die Deutung der Tat

Lange Jahre sehen selbst viele Historiker in Georg Elser ein Instrument des NS-Staates. Diese Deutung verliert erst gegen Ende der 1960er Jahre an Kraft, als der Münchener Historiker Lothar Gruchmann Elsers Verhörprotokolle in den Akten des Reichsjustizministeriums findet. Zugleich veröffentlicht sein Kollege Anton Hoch eine Auswertung aller damals bekannten Quellen zum Anschlag, die ebenfalls eindeutig Elsers Alleintäterschaft zeigen und alle Gerüchte widerlegen.

Erst in den 1980er und 1990er Jahren setzt eine angemessene Ehrung Georg Elsers ein. Dazu gehören ein international beachteter Film mit Klaus Maria Brandauer, mehrere Publikationen, vor allem aber die Errichtung der Georg-Elser-Gedenkstätte in Königsbronn. Plätze, Straßen und Schulen werden nach ihm benannt; Denkmäler errichtet. Georg Elser gilt heute als »der wahre Antagonist Hitlers« (Joseph P. Stern), der »einsame Attentäter« (Peter Steinbach) oder der »einsame Zeuge« (Klemens von Klemperer) und als einer der konse­quentesten Gegner der NS-Diktatur. Dem im April 1988 in Heidenheim gegründeten Georg-Elser-Arbeitskreis ist es gelungen, die Tat Georg Elsers im Bewusstsein der Region durch Veranstaltungen, Ausstellungen und Publikationen zu verankern. Der Arbeitskreis ist ebenso wie die Gemeinde Königsbronn maßgeblich an der Errichtung der Elser-Gedenkstätte in Königsbronn 1998 beteiligt.


Das Jahr 1923

Eine massive Krisenballung macht dieses Jahr zum “Schicksalsjahr” der Weimarer Republik. München war in dieser Zeit das Zentrum des rechten Widerstands gegen die Berliner Reichsregierung.

Das Jahr 1923 war geprägt von existenzbedrohenden Krisen für die junge Republik:

Ruhrbesetzung

Französische und belgische Truppen besetzten im Januar 1923 das Ruhrgebiet, worauf die Reichsregierung mit “passivem Widerstand” reagierte. Als die Regierung Stresemann diesen im September 1923 abbrach, sahen nationale Kreise darin einen Verrat.

Hyperinflation

Das Geld verlor stündlich an Wert. Der Mittelstand verarmte, was zu einer tiefen Verzweiflung und Radikalisierung der Bevölkerung führte.

  • Frühjahr 1923: Der Dollar-Kurs beginnt zu rasen. Kostete ein US-Dollar im Januar noch ca. 18.000 Mark, waren es im Juli bereits 350.000 Mark.
  • Sommer 1923: Die Versorgungslage bricht zusammen. Bauern weigern sich zunehmend, Lebensmittel gegen wertloses Papiergeld zu verkaufen. In den Städten herrscht Hunger.
  • Herbst 1923: Die Inflation erreicht ihren absurden Gipfel. Ein Laib Brot kostet Ende Oktober mehrere Milliarden Mark. Löhne werden täglich ausgezahlt und müssen sofort ausgegeben werden, da sie am Abend oft nur noch die Hälfte wert sind.
  • 15. November 1923: Die Einführung der Rentenmark beendet das Chaos. Eine Billion Papiermark wird in eine Rentenmark getauscht.

Bayern als „Ordnungszelle“

In Bayern regierte eine rechtskonservative Regierung, die das Land als Gegenpol zum „roten“ Berlin (der Weimarer Koalition) sah. München wurde zum Sammelbecken für rechtsextreme Verbände und ehemalige Freikorps-Kämpfer.

Im September 1923 ernannte die bayerische Regierung Gustav von Kahr zum Generalstaatskommissar mit diktatorischen Vollmachten, um die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten und sich gegen das Reich zu positionieren.

Die Situation der NSDAP im November 1923

Die NSDAP war zu diesem Zeitpunkt noch eine regional begrenzte, aber in Bayern bereits sehr einflussreiche Partei. Adolf Hitler hatte sich als „Trommler“ einen Namen gemacht. Die Partei war straff organisiert und verfügte mit der SA (Sturmabteilung) über eine schlagkräftige Privatarmee von mehreren tausend Mann. Die NSDAP war führendes Mitglied im „Deutschen Kampfbund“, einem Zusammenschluss völkischer Wehrverbände. Hitler war der politische Kopf, während der Weltkriegsheld Erich Ludendorff als militärisches Aushängeschild fungierte.

Die SA-Männer und die Anhänger waren durch die Inflation und die Schmach der Ruhrbesetzung hochgradig nervös. Hitler stand unter dem Druck, endlich zu handeln („Putschen oder Untergehen“), da die Begeisterung der Anhänger sonst zu verfliegen drohte.

In München herrschte ein Machtdreieck aus:

  1. Gustav von Kahr (Generalstaatskommissar mit diktatorischen Vollmachten).
  2. Hans von Seißer (Chef der bayerischen Landespolizei).
  3. Otto von Lossow (Kommandeur der Reichswehr in Bayern). Diese Männer wollten ebenfalls die Reichsregierung stürzen und ein autoritäres Regime errichten, zögerten aber vor einem offenen Bruch mit Berlin zurück. Hitler befürchtete, dass Kahr ohne ihn eine „bayerische Lösung“ (evtl. sogar eine Restauration der Monarchie) anstreben würde.

Hitlers Vorbild war der „Marsch auf Rom“ von Benito Mussolini (1922). Sein Plan war es, das bayerische Triumvirat (Kahr, Lossow, Seißer) im Bürgerbräukeller zur Zusammenarbeit zu zwingen, um dann gemeinsam von München aus nach Berlin zu marschieren und die dortige Regierung abzusetzen.

Der Hitler-Putsch

1. Der Überfall im Bürgerbräukeller (8. November 1923)

Am Abend des 8. November versammelten sich etwa 3.000 Menschen im Münchner Bürgerbräukeller, um einer Rede des bayerischen Generalstaatskommissars Gustav von Kahr zuzuhören.

  • Der Überrumpelungseffekt: Gegen 20:30 Uhr stürmte Hitler mit bewaffneten SA-Männern den Saal. Er schoss mit einer Pistole in die Decke und rief die „nationale Revolution“ aus.

  • Das Triumvirat: Hitler zwang Kahr sowie den Kommandanten der bayerischen Reichswehr (Otto von Lossow) und den Chef der Landespolizei (Hans von Seißer) in ein Nebenzimmer. Unter massivem Druck und unter Einbeziehung des Weltkriegshelden Erich Ludendorff erklärten sie zunächst ihre Unterstützung für den Putsch. Flugblatt|400 und Link dazu

  • Die Wende: In der Nacht wurden die drei Männer freigelassen, woraufhin sie sofort ihre Unterstützung widerriefen und Maßnahmen zur Niederschlagung des Putsches einleiteten.

2. Der Marsch zur Feldherrnhalle (9. November 1923)

Am nächsten Morgen erkannte Hitler, dass der Rückhalt in der Verwaltung und beim Militär fehlte. Ludendorff schlug einen Marsch durch die Stadt vor, in der Hoffnung, die Polizei und das Militär würden nicht auf einen Kriegshelden wie ihn schießen.

  • Der Verlauf: Gegen 12:00 Uhr mittags setzte sich ein Zug von ca. 2.000 Putschisten vom Bürgerbräukeller in Richtung Innenstadt in Bewegung. Sie überquerten die Isar und zogen über den Marienplatz zum Odeonsplatz.

Der Weg

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Der Marsch am 9. November 1923 war der verzweifelte Versuch der Putschisten, das Heft des Handelns wieder in die Hand zu bekommen, nachdem die Unterstützung durch die bayerische Staatsführung in der Nacht weggebrochen war.

Die Route führte quer durch die Münchner Innenstadt:

  1. Start am Bürgerbräukeller (ca. 12:00 Uhr): Das Gebäude befand sich in der Rosenheimer Straße (heute steht dort das Kulturzentrum Gasteig). Von dort zog die Kolonne von rund 2.000 Männern los.

  2. Ludwigsbrücke: Der Zug überquerte die Isar. Hier stießen sie auf eine erste kleine Polizeikette, die jedoch entwaffnet wurde.

  3. Isartor: Durch das Isartor marschierten sie in die Altstadt ein.

  4. Tal: Die Putschisten zogen die Straße “Tal” hinauf in Richtung Stadtzentrum. Zu diesem Zeitpunkt herrschte in der Stadt Chaos; viele Schaulustige beobachteten das Geschehen.

  5. Marienplatz: Hier legten sie einen kurzen Zwischenstopp ein. Folgendes Bild von Julius Streicher zeigt vermutlich eine Rede im Zuge der in den 30er Jahren abgehaltenen Gedenkmärsche Streicher(?) auf dem Marienplatz|500 und Link dazu

    Exkurs: Das Rathaus 1870, erster Bauabschnitt Bildschirmfoto_20251227_151914|500 Link dazu.

    Das Rathaus wurde in 3 Bauabschnitten seit 1867 erstellt: Bildschirmfoto_20251227_152336|500 Link dazu Die drei Bauabschnitte von Baubeginn 1867 bis zur Fertigstellung 1905: 1. Bauabschnitt: 1867–1874 (rot), 2. Bauabschnitt: 1889–1892 (blau), 3. Bauabschnitt: 1898–1905 (gelb)

  6. Weinstraße & Max-Joseph-Platz: Da der direkte Weg zum Odeonsplatz über die Dienerstraße durch Polizeibarrikaden versperrt war, wichen die Putschisten über die Weinstraße aus, passierten den Max-Joseph-Platz (vor der Residenz) und bogen in die Residenzstraße ein

3. Das Ende des Putsches

Vor der Feldherrnhalle stießen die Putschisten auf eine Absperrung der bayerischen Landespolizei. Es fielen Schüsse (bis heute ist ungeklärt, wer den ersten Schuss abgab). Im kurzen Feuergefecht starben 16 Putschisten, 4 Polizisten und ein Passant.

Nachträglich gezeichnetes und erstelltes Bild, Hilter vmtl. im hellen Mantel: Ankunft an der Feldherrenhalle und Link dazu

Der Odeonsplatz 1925: Bildschirmfoto_20251227_133019 und Link dazu

Die Toten

Auf Seiten der Putschisten (16 Tote): Diese wurden später von der NS-Propaganda als „Blutzeugen“ mythologisiert.

  • Felix Alfarth

  • Andreas Bauriedl (auf seine Fahne soll das Blut gefallen sein, woraus die „Blutfahne“ der NSDAP wurde)

  • Theodor Casella

  • William Ehrlich

  • Martin Faust

  • Anton Hechenberger

  • Oskar Körner (der zweite Vorsitzende der NSDAP)

  • Karl Kuhn

  • Karl Laforce

  • Kurt Neubauer

  • Klaus von Pape

  • Theodor von der Pfordten (Rat am Obersten Landesgericht)

  • Johann Rickmers

  • Max Erwin von Scheubner-Richter (ein enger Vertrauter Hitlers; er riss Hitler beim Sturz mit zu Boden und bewahrte ihn so möglicherweise vor tödlichen Treffern)

  • Lorenz Ritter von Stransky-Griffenfeld

  • Wilhelm Wolf

Auf Seiten der bayerischen Landespolizei (4 Tote):

  • Friedrich Fink

  • Nikolaus Hollweg

  • Max Schoberth

  • Rudolf Schraut

Die Verletzten

Auf beiden Seiten gab es zahlreiche Verletzte. Die prominentesten waren:

  • Adolf Hitler: Er erlitt keine Schusswunde, aber eine schmerzhafte Luxation (Auskugelung) der linken Schulter, weil Scheubner-Richter ihn beim Sterben zu Boden riss.

  • Hermann Göring: Er wurde schwer verletzt (siehe unten).

  • Ulrich Graf: Hitlers Leibwächter, der sich vor Hitler gestellt hatte und von mehreren Kugeln getroffen wurde, aber überlebte.

Hermann Göring

  • Die Verwundung: Göring wurde von zwei Kugeln in den rechten Oberschenkel und die Leistengegend getroffen. Die Wunde war verschmutzt und entzündete sich stark.

  • Die Flucht: Da er per Haftbefehl gesucht wurde, flohen seine Frau Carin und er über Österreich und Italien nach Schweden.

  • Die Schmerzmittel-Abhängigkeit: In einem Krankenhaus in Innsbruck wurde er aufgrund der extremen Schmerzen mit Morphium behandelt. Dies war der Beginn seiner schweren Drogensucht. Er entwickelte eine lebenslange Abhängigkeit von Morphin bzw. später von dem Ersatzstoff Eukodal.

  • Physische und psychische Folgen: Die Sucht führte über die Jahre zu massiven Gewichtsschwankungen, Stimmungsschwankungen und prägte seinen Charakter bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Erst während der Nürnberger Prozesse wurde er zwangsweise entzogen

Ausgang für Hitler

Hitler wurde beim Sturz zu Boden (da sein Nebenmann Scheubner-Richter tödlich getroffen wurde) an der Schulter verletzt. Er floh in einem bereitstehenden Wagen, wurde aber zwei Tage später verhaftet.


4. Die Verklärung im Nationalsozialismus

Nach der Machtübernahme 1933 transformierten die Nationalsozialisten die faktische Niederlage in einen heroischen Opfergang. Nach 1933 wurde dieser Weg zur „Heiligen Straße“ der Bewegung stilisiert:

  • Das jährliche Gedenken: Jedes Jahr am 9. November fand ein ritueller Gedenkmarsch statt, der den Weg von 1923 exakt nachstellte. Hitler hielt dabei traditionell eine Rede im Bürgerbräukeller (dort verübte Georg Elser 1939 sein Attentat). Der letzte Marsch fand 1943 statt. Zu den Gedenkfeiern war München umfangreich plakatiert November_9|300

  • Der Kult um die „Blutzeugen“: Die 16 getöteten Putschisten wurden als „Blutzeugen der Bewegung“ verehrt. Hitler widmete ihnen den ersten Band von Mein Kampf.

  • Die Ehrentempel: Am Königsplatz wurden zwei monumentale „Ehrentempel“ errichtet, in denen die Särge der Getöteten in einer feierlichen Zeremonie beigesetzt wurden.

  • Die „Blutfahne“: Eine Hakenkreuzflagge, die beim Marsch mit dem Blut der Toten befleckt worden sein soll, wurde zum heiligsten Relikt der NSDAP. Jede neue Parteifahne wurde durch Berührung mit der Blutfahne „geweiht“.

  • Der Mahnmal-Kult: An der Ostseite der Feldherrnhalle wurde eine Ehrentafel für die „Blutzeugen“ angebracht. Passanten waren verpflichtet, diese mit dem Hitlergruß zu ehren. Wer dies umgehen wollte, nutzte die rückwärtige Viscardigasse, die deshalb den Namen „Drückebergergasse“ erhielt.

    Bildschirmfoto_20251227_133306|600 und Link dazu

  • Die Totenehrung: Jedes Jahr am 9. November schritten Hitler und die „Alten Kämpfer“ diesen Weg erneut ab, gesäumt von riesigen Pylonen mit Opferfeuern, bis die Toten in den Ehrentempeln am Königsplatz „beigesetzt“ wurden.

  • Verklärung des 9. November november_9_plakat


Nach dem Putsch

Der Hitler-Prozess (Februar bis April 1924)

Der Prozess wegen Hochverrats begann am 26. Februar 1924 vor dem bayerischen Volksgericht in München.

  • Die Bühne: Obwohl der Putsch ein kläglicher Fehlschlag war, nutzte Hitler den Prozess als nationale Bühne. Dank eines sympathisierenden Richters (Georg Neithardt) durfte Hitler stundenlange Reden halten, in denen er sich nicht verteidigte, sondern die „Novemberverbrecher“ der Weimarer Republik angriff.

  • Das Urteil: Das Urteil vom 1. April 1924 war extrem mild. Hitler wurde zur Mindeststrafe von 5 Jahren Festungshaft verurteilt, mit der Aussicht auf vorzeitige Entlassung nach nur sechs Monaten. Er wurde nicht als Ausländer (er war damals noch Österreicher) ausgewiesen, obwohl das Gesetz dies bei Hochverrat zwingend vorsah.

Die Haft in Landsberg (April bis Dezember 1924)

Hitler verbrachte insgesamt nur etwa 264 Tage in Haft (einschließlich Untersuchungshaft). Die wichtigste Folge der Haft war die Arbeit an seinem Buch. Hitler diktierte seinem Mitgefangenen und Sekretär Rudolf Heß den ersten Band seines Werkes (ursprünglicher Titel: Viereinhalb Jahre Kampf gegen Lüge, Dummheit und Feigheit). Darin legte er seine rassistische Ideologie und seine Pläne zur Weltherrschaft fest.

Hitler verließ Landsberg nicht als gescheiterter Putschist, sondern als national bekannte Symbolfigur der Rechten. Die NSDAP war während seiner Haft zwar verboten und zerstritten, doch Hitler begann sofort nach seiner Rückkehr nach München mit der Neugründung der Partei (Februar 1925 im Bürgerbräukeller) und dem Aufbau seines absoluten Führerkultes.

MISC

Sonderausstellung Deutsches Museum 1937: deutsches_museum|400